Burg Eltz, © D. Ritzenhofen

Der durchlöcherte Harnisch

Burg Eltz

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Im fünfzehnten Jahrhundert lebte auf der Burg Eltz ein Graf mit seiner schönen Tochter Agnes. Damals war es üblich, daß die Erben schon im Kindesalter für eine spätere Ehe versprochen wurden. So war auch Agnes von Eltz dem Junker von Braunsberg als spätere Gattin zugedacht.

Die Zeit verging, und beide wuchsen heran. Als sich der Tag der Verlobung näherte, stellte sich heraus, daß die· beiden Versprochenen nicht zueinander paßten, denn dir Jungfer war gutmütig, bescheiden und sanft, der Junker von Braunsberg hingegen hartherzig und grob gegenüber seinen Mitmenschen. Als Agnes dessen gewahr wurde, bat sie ihren Vater, nicht länger auf der Vermählung der beiden zu bestehen. Doch er ließ sich durch die Worte seiner Tochter nicht umstimmen.

Zahlreiche Gäste waren zur Verlobung gekommen, darunter viele Ritter aus der Nachbarschaft mit ihren Damen. Mit finsterer Miene führte der Junker von Braunsberg seine festlich gekleidete Braut zu ihrem Platz im großen Saal. Nicht durch liebevolles Verhalten hatte er versucht, die Braut für sich zu gewinnen, sondern durch unbeugsame Härte.

Zuerst wurde vor allen geladenen Gästen über Mitgift und Erbschaft verhandelt. Als alles besiegelt war, wollte der Bräutigam der Braut den Verlobungskuß geben. Doch die Abneigung seiner Verlobten war so groß, daß sie sich im verweigerte. Nun brach der bisher unterdrückte Zorn des Junkers so heftig hervor, daß er Agnes auf das schmählichste beschimpfte und ihr am Ende gar seinen Handschuh ins Gesicht warf.

Voller Empörung griffen die Verwandten der Braut zu den Waffen, doch Agnes konnte durch Bitten und Zureden gerade noch Blutvergießen verhindern. Der Braunsberger verließ mit seinem Gefolge zornig die Burg, nicht ohne nochmals den Eltzern die Fehde anzukündigen. Ein Jahr verging, doch nichts war geschehen. Da ließ eines Tages der Braunsberger Junker mit einer List die Eltzer aus der Burg locken, in die er dann nachts mit seinen Mannen eindrang.

Durch das Waffengeklirr und Getöse in dem engen Burghof wachte Agnes auf, trat ans Fenster und erblickte, wie ihr verschmähter Freier mit einer Übermacht von Gefolgsleuten gegen eine Handvoll zurückgebliebener Eltzer Knechte kämpfte. Da wußte sie, daß sie bald dem erzürnten Junker in die Hände fallen und in sein Schloß verschleppt werden würde. So faßte sie rasch einen mutigen Entschluß, eilte in die Waffenkammer, legte den prachtvollsten Brustpanzer ihres Bruders an, ergriff ein Schwert und stand gleich darauf inmitten der kleinen Schar der Verteidiger. Es war ein ungleicher Kampf, aber der Mut der jungen Frau spornte die Männer von Eltz an, und sie fochten unentwegt gegen die feindliche Übermacht. Mit einem Male sank die mutige Verteidigerin durch einen Pfeil des Junkers tödlich getroffen zu Boden. Als die Eltzer das sahen, nahmen sie noch einmal all ihre Kräfte zusammen und töteten zuerst den Braunsberger Junker. Den meisten seiner Anhänger erging es danach nicht besser.

Mit dieser Niederlage der Braunsberger war auch die Fehde beendet. Doch man erzählte sich, der Geist der armen Agnes sei danach noch oft um Mitternacht im Burghof erschienen.

Quelle: Hans-Peter Pracht, „Sagen und Legenden der Eifel“, J.P. Bachem Verlag Köln, 1994, S. 158-160

 

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