Genovevaburg in Mayen, © Fotostudio Mooi

Die Genovevasage

Genovevaburg, Mayen

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Die mächtige Burg auf dem Hochsimmer bei Mayen war der Wohnsitz des Pfalzgrafen Siegfried und seiner Gemahlin Genoveva. Sie lebten einträchtig in Güte und Gottvertrauen, und ihre Untertanen waren zufrieden unter ihrer Herrschaft.

Als Karl Martell ein Heer aufstellte, um bei der Befreiung des Heiligen Landes zu helfen, mußte auch Siegfried mitziehen. Schweren Herzens nahm er Abschied von Genoveva. Zurvor hatte er seinen Burgvogt Golo beauf­tragt, während seiner Abwesenheit Gemahlin und Schloß treu zu hüten.

Aber Siegfried hatte sich in seinem Burgvogt getäuscht, denn der war falsch, hinterhältig und grausam. Schon bald näherte er sich Genoveva, um sie zur Untreue gegen ihren Gemahl zu verleiten. Aber Genoveva blieb stand­haft, so oft Golo es auch versuchte. Da stieg in ihm der glühende Haß des Abgewiesenen auf, und er sann auf Rache.

Als der Pfalzgraf nach langer Zeit zurückkehrte, berich­tete ihm ein Diener von der angeblichen Untreue seiner Frau. Außer sich vor Zorn und durch seine Enttäuschung verblendet, befahl er, Genoveva zu töten, obwohl es ihm unverständlich blieb, daß seine Gemahlin ihn betrogen haben sollte.

An einem trüben Morgen führten zwei Knechte die Pfalzgräfin mit ihrem kleinen Sohn, der während der Abwesenheit des Pfalzgrafen geboren war, zur Richt­stätte im Wald. An der Nettebrücke blieb Genoveva noch einmal stehen, zog den Ring ab, warf ihn in die Fluten und sprach mit tränenerstickter Stimme:

„Ich gebe meinem Herrn den Treuschwur zurück, damit seine Schuld gemindert werde!"

Diese Worte rührten die Knechte so sehr, daß sie es nicht übers Herz brachten, den Befehl ihres Herrn auszu­führen.

So blieb Genoveva mit ihrem Kind sieben Jahre lang im Wald verborgen. Schutz vor Kälte und Nässe bot eine dunkle, trockene Höhle. Sie ernährten sich von Kräutern, Beeren und Wurzeln, und eine Hirschkuh, die sich ihnen angeschlossen hatte, spendete Milch.

Aber auch der Graf hatte genügend Zeit gehabt, um über seine Entscheidung nachzudenken, nachdem sich seine erste Wut und Enttäuschung gelegt hatten. Bald bereute er, daß er seine Gemahlin verstoßen und eigenmächtig dem Tod übergeben hatte.

Eines Tages brachte ein Fischer einen großen Hecht auf die Burg. Als der Koch ihn ausnahm, fand er in seinen Eingeweiden einen goldenen Ring. Er brachte ihn seinem Herrn, der ihn sofort als den Ehering seiner Gemahlin erkannte. Die Erinnerung an Genoveva lebte wieder auf, und er gab sich erneut vorwurfsvollen Gedanken hin. Der Vertraute des Grafen sorgte sich um das Wohlerge­hen seines Herrn und wollte ihm Ablenkung verschaffen. So ließ er eine Jagd vorbereiten.

Bei der Verfolgung einer mächtigen Hirschkuh gelang es dem Burgherrn nicht, das fliehende Tier einzuholen, das plötzlich in einer Höhle verschwand. Nun glaubte der Graf sich am Ziel; er stieg vom Pferd und tastete sich vorsichtig in die dunkle Höhle vor. Da trat ihm Geno­veva mit ihrem Sohn entgegen. Siegfried erkannte sofort, wie sehr ihm der Knabe glich, und dankte Gott für die wunderbare Fügung. Nachdem Genoveva ihm von den Schandtaten Golos berichtet hatte, ließ er den ungetreuen Burgvogt zum Tode verurteilen und hinrichten. Siegfrieds Glück sollte jedoch nicht lange währen. Genoveva starb bald und wurde dort, wo sie die schwersten Jahre ihres Lebens verbracht hatte, zur ewigen Ruhe gebettet. Siegfried ließ in Dankbarkeit und Reue über ihrem Grab eine Kapelle errichten, in der auch später der Sohn begraben werden sollte. Die Kapelle „Frauenkirch" wurde zum Wallfahrtsort.

Quelle: Hans-Peter Pracht, „Sagen und Legenden der Eifel“, J.P. Bachem Verlag Köln, 1994, S. 152-154

 

Weitere Informationen zur Genovevaburg in Mayen finden Sie hier.

Genovevaburg

Mario-Adorf-Burgweg 1
56727 Mayen
Telefon: 0049 2651 498508